Entstehung der ersten Kreditgarantiegemeinschaften in Baden-Württemberg

Bei den Bemühungen der deutschen Bundesregierung, der Landesregierungen und der Organisationen der gewerblichen Wirtschaft um den Aufbau, die Förderung und die Erhaltung der Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Wirtschaft, stand man Anfang der 50er-Jahre vor der Aufgabe, die Kreditversorgung des gewerblichen Mittelstandes sicherzustellen. Dies besonders deshalb, weil mittelständische Unternehmen und Existenzgründer weder einen direkten Zugang zum Kapitalmarkt haben, noch ausreichende bankmäßige Sicherheiten zur Verfügung stellen können.

Der Zentralverband des Deutschen Handwerks regte zur Lösung dieses Problems Selbsthilfeorganisationen der Wirtschaft an. Beginnend mit dem Jahr 1953 wurde dies mit der Gründung von Kreditgarantiegemeinschaften zunächst im Bereich Handwerk, später auch in den anderen Wirtschaftszweigen umgesetzt. Ihre Aufgabe ist es seitdem, die Kreditversorgung gewerblicher Unternehmen durch die Stellung erstklassiger Sicherheiten, nämlich modifizierter Ausfallbürgschaften, auch dann zu ermöglichen, wenn den Betrieben ausreichende bankmäßige Sicherheiten nicht oder nicht in genügendem Umfang zur Verfügung stehen bzw. dem Kreditinstitut das Risiko einer Kreditgewährung zu groß ist. Gefördert werden alle betriebswirtschaftlich sinnvollen Vorhaben, von der Existenzgründung bis zur Finanzierung von Betriebsmitteln und Investitionen. Zielsetzung ist nicht in erster Linie die Verbilligung der Kredite, also günstige Zinsen, sondern eine betriebsgerechte Finanzierung durch ausreichend hohe und langfristige Kredite, die ohne Bürgschaft nicht gewährt werden würden.

Ab dem Jahr 1955 wurden in Baden-Württemberg Kreditgarantiegemeinschaften (KGGen) gegründet, zunächst die KGG des Handwerks (1955), dann die KGG des Handels (1956), die KGG des Gartenbaues (1958), die KGG der Industrie und des Verkehrsgewerbes (1963), die im folgenden Jahr durch das Gastgewerbe erweitert wurde. 1982 kam die KGG der Freien Berufe hinzu. 1988 wurde mit der KGG in Baden-Württemberg als Vertreter der Kreditwirtschaft die vorerst letzte KGG in den Gesellschafterkreis aufgenommen.

Die KGGen hatten anfangs weder eigenes Personal noch Geschäftsräume, sondern schlossen jeweils mit der "Württembergischen Kredithilfe gemeinnützige GmbH" (WKH) Geschäftsbesorgungsverträge ab.

Die Württembergische Kredithilfe war eine 1934 gegründete Institution, die bis in die Nachkriegsjahre Bürgschaftshilfe gewährte und die Durchleitung von Kleinkrediten an Flüchtlinge übernahm. Nach zögerlichem Beginn entwickelten sich die damaligen vier baden-württembergischen KGGen schnell zu bedeutenden und anerkannten Institutionen der finanziellen Gewerbeförderung. Die Vorteile der "Hilfe zur Selbsthilfe" und der Möglichkeit, trotz schlechter Sicherheiten und hohem Risiko eine betriebsgerechte Finanzierung zu erreichen, setzte sich durch. 15 Jahre nach Aufnahme der Geschäftstätigkeit der ersten KGG, der KGG des Handwerks, im Jahr 1971 wurden schon 660 Anträge mit 70,9 Millionen DM Bürgschaftssumme bearbeitet.

Umgründung zur Bürgschaftsbank Baden-Württemberg GmbH

Reformbestrebungen, die einzelnen KGGen unter dem Dach eines gemeinsamen Instituts zu vereinigen, gab es schon seit den sechziger Jahren. Diese Überlegungen führten schließlich zu einer bedeutsamen Umgründung im Jahr 1971.

Die Gesellschafter der Württembergischen Kredithilfe übertrugen ihre Kapitalanteile auf die Kreditgarantiegemeinschaften. Diese stockten ihr Gesellschaftskapital auf und brachten ihr gesamtes Vermögen in die in "Bürgschaftsbank Baden-Württemberg GmbH" umbenannte Württembergische Kredithilfe ein. Die Kreditgarantiegemeinschaften gaben ihre Bankkonzessionen zurück und firmieren seitdem als Verwaltungs-Gesellschaften.

In der Satzung der Bürgschaftsbank sind die Bürgschaftsausschüsse für alle Wirtschaftszweige, die Zurechnung der Haftungsmittel und die getrennte Rechnung für jede Haftungsgruppe verankert. Diese Satzungsbestimmungen können nur mit Zustimmung der Begünstigten geändert werden. Damit ist die Mitsprache der berufsständischen Organisationen nicht nur durch die Mitwirkung maßgebender Persönlichkeiten im Aufsichtsrat, in den Verwaltungsräten der Kreditgarantiegemeinschaften und in den Bürgschaftsausschüssen, sondern auch satzungsmäßig gesichert. Dies bietet den großen Vorteil, dass einerseits die enge Verbindung zu den berufsständischen Organisationen voll erhalten geblieben ist, und andererseits die Kreditwirtschaft ein leistungsfähiges Bankinstitut als Partner hat.

Dieser Zusammenschluss war letztendlich die Voraussetzung dafür, dass die Bürgschaftsbank Baden-Württemberg GmbH zum führenden Institut im Bundesgebiet wurde und gleichzeitig Vorbild der Bürgschaftshilfe in anderen - alten sowie neuen - Bundesländern war.

Als Selbsthilfeorganisation sind Gründer und Träger der Bürgschaftsbanken die Selbstverwaltungsorganisationen der Wirtschaft, d. h. Handwerkskammern, Industrie- und Handelskammern und Fachverbände, sowie die Spitzeninstitute des Kreditgewerbes.

Elemente der Selbsthilfe sind:

  • die Gründung und Trägerschaft durch die Organisationen der Wirtschaft;
  • teilweise Übernahme des Bürgschaftsrisikos;
  • Vorbereitung der Entscheidungen durch Gutachten und Mitwirkung in den Entscheidungsgremien.



Diese Elemente der Selbsthilfe werden durch Staatshilfe ergänzt:

  • Rückbürgschaften von Bund und Ländern;
  • Zuerkennung der Steuerfreiheit.


Die staatlichen Rückbürgschaften von derzeit insgesamt 65%, davon 39% Bund und 26% Land, nehmen den Bürgschaftsbanken einen erheblichen Teil des Risikos ab und verleihen damit ihren Bürgschaften aus der Sicht der Kreditinstitute den Charakter einer erstklassigen Sicherheit.

Dieses System bietet auch dem Staat bedeutende Vorteile. Die laufenden Haushalte werden zunächst überhaupt nicht belastet; Ausfälle treten erst mit erheblicher Verzögerung ein und halten sich nach den bisherigen Erfahrungen in Grenzen. Durch einen minimalen Einsatz öffentlicher Mittel wird ein maximaler wirtschaftspolitischer Effekt erreicht. Diese Art der öffentlichen Förderung hat - im Gegensatz zu direkten Kapital- und Zinssubventionen - den Vorzug der größtmöglichen wirtschaftlichen Neutralität. Bürgschaftsbanken sind Spezialkreditinstitute.

Sie unterscheiden sich von anderen Finanzierungs- und Kreditinstituten durch

  • berufsständische Solidarhaftung;
  • kapitalmäßige Einbindung der Bankenspitzeninstitute aller Bereiche;
  • Verwaltung der Bürgschaftskredite durch die Hausbank, also das kreditgewährende Institut;
  • subsidiäre Mitwirkung der öffentlichen Hand durch Rückbürgschaften und Verstärkung der haftenden Mittel.



Bürgschaftsbanken beurteilen fachkundig und erfahren die Kreditwürdigkeit des Antragstellers; sie stützen sich dabei auf die gutachterlichen Stellungnahmen der Kammern und Fachverbände. Hierin liegt ein wesentlicher Beitrag zur Verminderung des Risikos. Dem Staat werden dadurch der Aufbau und die Unterhaltung einer teuren und unproduktiven Subventionsbürokratie erspart.

Während der Rückbürgschaftsanteil der öffentlichen Hand ursprünglich 80 Prozent des Bürgschaftsrisikos ausmachte, ist er inzwischen in den alten Bundesländern auf 65 Prozent herabgesetzt worden. Das früher definierte Fernziel des Staates, von den Bürgschaftsbanken autonome Wahrnehmung der ihnen gestellten Aufgabe zu erwarten, dürfte wohl kaum erreicht werden können. Heute bedeutet der Grundsatz "Hilfe zur Selbsthilfe" eine sinnvolle Verteilung des Risikos.

Auch dem Kreditinstitut wird das Risiko nicht vollständig abgenommen; die Ausfallbürgschaften decken nur einen Teil des Kreditrisikos, maximal 80 Prozent. "Hilfe zur Selbsthilfe" bedeutet auch, dass dem Unternehmer die wirtschaftliche Verantwortung für seine Entscheidungen nicht abgenommen wird. Es wird von ihm erwartet, dass er eigenes Vermögen zur Sicherung des verbürgten Kredits zur Verfügung stellt, sei es noch so unzulänglich.

Gründung der MBG Mittelständische Beteiligungsgesellschaft Baden-Württemberg GmbH

Neben der Umgründung zur Bürgschaftsbank Baden-Württemberg GmbH ist für die finanzielle Gewerbeförderung in unserem Bundesland das Jahr 1971 ein wichtiges Datum; die Gründung der MBG Mittelständische Beteiligungsgesellschaft Baden-Württemberg GmbH erfolgte zum 5.3.1971.

Die Eigenkapitalschwäche, besonders der mittelständischen Betriebe, führte Ende der 60er-Jahre zu verstärkten Überlegungen, dieses Problem mit Hilfe von Beteiligungen zu lösen.

Im Januar 1970 stellte die Bundesregierung ihr "Programm zur Förderung der Beteiligungs-finanzierung bei kleinen und mittleren Unternehmen" vor. Sie bot damit Hilfe zur Selbsthilfe an. Es war ihre Absicht - unterstützt von den Ländern - durch ein marktwirtschaftliches Konzept mit einem ordnungspolitisch vertretbaren Maß an staatlicher Hilfe die Vermittlung risikobereiten Kapitals durch private Kapitalbeteiligungsgesellschaften für die mittelständische Wirtschaft zu fördern.

Bei den Fördermaßnahmen handelt es sich um Rückgarantien von Bund und Ländern gegenüber Beteiligungsgarantiegemeinschaften, meist Bürgschaftsbanken, die ihrerseits gegenüber Kapitalbeteiligungsgesellschaften von diesen nach den Fördergrundsätzen des Bundes eingegangene Beteiligungen garantieren. Zum anderen stellt der Bund privaten Kapitalbeteiligungsgesellschaften, die solche Beteiligungen nach den Fördergrundsätzen eingehen, zinsgünstige Refinanzierungsmittel aus dem ERP-Vermögen zur Verfügung.

Der Vorstand der Bürgschaftsbank erkannte die Notwendigkeit, den Unternehmen nicht nur mit der Verbürgung von Krediten bei einer ausgewogenen Finanzierung zu helfen, sondern auch mit einer Verbesserung der Eigenkapitalausstattung durch stille Beteiligungen. Er wirkte auf die Gesellschafter der Bürgschaftsbank ein, das Angebot des Bundes aufzugreifen und in Baden-Württemberg eine Mittelständische Beteiligungsgesellschaft zu gründen, die eng mit der Bürgschaftsbank verbunden sein sollte. Durch gemeinsame Geschäftsführung, Mitarbeiter und Geschäftsräume ergeben sich einerseits deutliche Synergieeffekte bei den Verwaltungskosten, andererseits haben die Kreditinstitute nur einen Ansprechpartner.

Damit waren gleichzeitig die enge Zusammenarbeit mit Kreditinstituten, Kammern und Verbänden sowie die sinnvolle Möglichkeit, Beteiligungskapital durch eine Kreditfinanzierung mit Bürgschaft zu ergänzen, gesichert.

Gründungsgesellschaften waren die Württembergische Landeskommunalbank - Girozentrale- Stuttgart, die Badische Kommunale Landesbank - Girozentrale-Mannheim, die Genossen-schaftliche Zentralbank eGmbH, Stuttgart, die Zentralkasse südwestdeutscher Volksbanken AG, Karlsruhe, die Raiffeisen-Zentralbank Baden eGmbH, Karlsruhe, der Bankenverband Baden-Württemberg e. V , Stuttgart, die Arbeitsgemeinschaft der Handwerkskammern in Baden-Württemberg, Stuttgart, die Industrie- und Handelskammer Stuttgart, sowie die Bürgschaftsbank Baden-Württemberg GmbH, Stuttgart.

Das Stammkapital betrug bei Gründung DM 500.000, wovon die Bürgschaftsbank einen wesentlichen Anteil übernahm. Mit Aufnahme weiterer Gesellschafter, der Landeskreditbank Baden-Württemberg, Karlsruhe, dem Einzelhandelsverband Baden-Württemberg e.V, Stuttgart, und dem Landesverband der Baden-Württembergischen Industrie e.V. sowie weiterer Einzahlungen der Gründungsgesellschafter und Gewinnthesaurierung wurde das Eigenkapital auf mittlerweile 17 MiMillionen Euro erhöht.

Entwicklung seit 1971

Mit der Umgründung der Bürgschaftsbank und der Gründung der MBG Mittelständische Beteiligungsgesellschaft wurden 1971 die Grundlagen dafür geschaffen, dass heute kein Erfolg versprechendes Vorhaben oder Existenzgründung an fehlenden Sicherheiten scheitert und die Eigenkapitalausstattung mittelständischer Unternehmen und Existenzgründer verbessert wird.

1971 waren in den damaligen gemieteten Räumen in der Rotebühlstraße 23 Mitarbeiter beschäftigt. Heute, über 30 Jahre später, finden in dem 1976 erworbenen Bankgebäude in der Werastraße 15 sowie in dem 2001 erworbenen Nachbarhaus Werastr. 17 über 100 Mitarbeiter einen Arbeitsplatz.

Allein die Bürgschaftsbank hat seit Aufnahme der Geschäftstätigkeit in weit mehr als 40.000 Fällen mit einem Bürgschafts- und Garantievolumen von mehr als 4 Milliarden Euro Kredite und Beteiligungen von über 6 Milliarden Euro verbürgt bzw. garantiert. Da i.d.R. nur der Spitzenbedarf verbürgt wird, sind die damit ermöglichten Finanzierungen weitaus höher.

Seit Gründung verbesserte die MBG in beinahe 4.000 Fällen die Eigenkapitalausstattung mittelständischer Unternehmen mit annähernd 800 Millionen Euro Beteiligungskapital. Mit derzeit rund 1.100 Engagements und 320 Millionen Euro Beteiligungsvolumen hat die MBG der Anzahl nach den größten Beteiligungsbestand aller Beteiligungsgesellschaften im Bundesgebiet und liegt auch nach Beteiligungsbeträgen unter den größten deutschen Gesellschaften, obwohl sie nur in Baden-Württemberg tätig ist.

Beide Gesellschaften werden sich auch in Zukunft für den Nachteilsausgleich bei der Finan-zierung kleinerer und mittlerer Betriebe einsetzen. Die Verbesserung der Finanzierung durch Bürgschaften und stille Beteiligungen gerade bei schwierigen wirtschaftlichen Verhältnissen ist Aufgabe von Bürgschaftsbank und MBG. Mit einer schlagkräftigen Organisation werden beide Institutionen weiter verlässliche Risikopartner auf Zeit für Existenzgründer, mittelständische Unternehmen und Kreditinstitute in unserem Bundesland sein.

 

Dr. Günther Wolfarth (Mitte), Heinz Haller (links) und Hartmut Hübler (rechts), ehemalige Vorstandsmitglieder der Bürgschaftsbank und Geschäftsführer der MBG


Wesentlichen Anteil an der erfolgreichen Entwicklung der beiden Gesellschaften hatten die bisherigen Vorstände und Geschäftsführer. Zu nennen sind Dr. Günther Wolfarth, der zwischen 1962 und 1988 zuerst Geschäftsführer der Württembergischen Kredithilfe, der Kreditgarantiegemeinschaften und dann Vorstandsvorsitzender der Bürgschaftsbank und Geschäftsführer der MBG war. Ebenso Heinz Haller und Hartmut Hübler, die 1984 gemeinsam zum Vorstand der Bürgschaftsbank und Geschäftsführer der MBG berufen wurden. Heinz Haller wurde zum Jahreswechsel 2003 nach 19 Jahren Tätigkeit für Bürgschaftsbank und MBG und Hartmut Hübler im Juni 2008 nach über 37-jähriger Tätigkeit für die beiden Förderinstitute in den Ruhestand verabschiedet.

Mit Guy Selbherr wurde 2004 ein Vertreter der jüngeren Generation vom Aufsichtsrat und von der Gesellschafterversammlung in den Vorstand berufen. Der frühere Prokurist und Vorstands-assistent ist seit Dezember 1992 bei Bürgschaftsbank und MBG tätig. Zuvor studierte er Betriebswirtschaftslehre in Pforzheim. Zu seinem Aufgabengebiet als Vorstand gehören unter anderem die Geschäftsfelder Kredit, Unternehmensanalyse, Engagementabwicklung und MBG-Kooperation.

Im August 2008 wurde Dirk Buddensiek zum Vorstandsmitglied der Bürgschaftsbank und Geschäftsführer der MBG ernannt. Der Diplom-Ökonom begann nach seinem Studium bei der Landesgirokasse (jetzt Landesbank Baden-Württemberg) und wechselte 1994 zu einer großen Kreissparkasse in der Region Stuttgart. Er war dort zuletzt als stellvertretendes Vorstands-mitglied für die Steuerung des Geschäftsbereichs Firmenkunden zuständig. Bei der Bürgschaftsbank ist er für die Geschäftsbereiche Marktfolge, Beteiligungsverwaltung, IT und Rechnungswesen zuständig.

Dirk Buddensiek und Guy Selbherr Vorstände der Bürgschaftsbank und Geschäftsführer der MBG

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