Ikra – interkultureller Pflegedienst

Pflegedienste für Menschen anderer Kulturen sind bislang selten. Der nationenübergreifende Ansatz von Betül Celiks interkulturellem Pflegedienst schafft Abhilfe.

Betül Celik ist gelernte Arzthelferin. Bevor sie im März 2015 ihren interkulturellen Pflegedienst Ikra in Stuttgart gegründet hat, arbeitete sie selbst bei einem Pflegedienst. „Das Marktpotenzial für andere Kulturen ist riesig“, sagt die 31-jährige Unternehmerin, „um aber türkische, griechische und italienische Kunden zu erreichen, muss man die Sprache der Pflegebedürftigen sprechen.“

Die türkischstämmige Deutsche beschäftigt inzwischen sieben Mitarbeiter. Sie sprechen türkisch, griechisch, italienisch und arabisch. Um bekannt zu werden, stellt sie ihren interkulturellen Pflegedienst Ärzten in Krankenhäusern oder bei Seminaren vor. „Auch wenn das Potenzial groß ist, so ist es in den südlichen Kulturen immer noch nicht üblich, den Vater oder die Mutter von Fremden pflegen zu lassen“, räumt sie ein. Hinzu komme, dass viele nicht wissen, dass sie sich helfen lassen können. Es sei aber wie überall: Die Kinder
gehen arbeiten und haben wenig Zeit.

Mit dem Wissen um die Gepflogenheiten anderer Kulturen punkten Betül Celik und ihre Mitarbeiter bei ihren Patienten. „In einer türkischen Familie muss man zum Beispiel immer die Schuhe vor der Tür ausziehen“, sagt sie, „oder während der Fastenzeit müssen die Medikamente eben zu anderen Zeiten gegeben werden.“ Der Lohn für ihre Arbeit? „Auch wenn das seltsam klingt: Die Leute sind so dankbar, wenn es Hilfe ohne Sprachbarriere gibt. Das motiviert mich und mein Team.“ Nicht so motivierend empfindet sie die umfangreichen Dokumentationspflichten, denen ein Pflegedienst nachkommen müsse. „Manchmal glaube ich, wir arbeiten mehr am PC als mit Menschen.“

Wesentlich unkomplizierter empfand sie die Gründung selbst: „Ich musste ja nur den Businessplan schreiben“, sagt Celik. Um die Finanzierung aus einem Förderkredit der L-Bank mit Bürgschaft und einer Kreditlinie mit einer Bürgschaft der Bürgschaftsbank habe sich ihr Betreuer bei der Bank gekümmert. „Die Kreditlinie brauchte ich, weil ich die Zeit, bis wir das Geld für unsere Arbeit von den Krankenkassen bekommen, überbrücken muss.“ Für die Zukunft hat die Unternehmerin schon recht konkrete Pläne: Aktuell übernimmt Ikra die Kunden eines Pflegedienstes in Ludwigsburg und Vaihingen/Enz. Später kann sie sich die Investition in ein Pflegeheim gut vorstellen. Ein kleines Heim mit fünf bis zehn Plätzen schwebt ihr vor. „Aber das ist noch Zukunftsmusik.“

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